Eine Sache, die ich nie verstanden habe, sind Menschen, die Sport als reinen Mittel zum Zweck betreiben.

Paradox, das als Person zu sagen, die als Fitnesstrainer von größtenteils solchen Menschen lebt.

Menschen, die Sport machen, weil Sport gemacht werden muss. Die ins Fitnessstudio kommen und eine Fresse ziehen, weil es wieder mal so weit ist, und sie ihrer unangenehmen Pflicht nachkommen müssen. Während den Übungen machen sie dann dasselbe Gesicht wie jemand, der widerwillig die bittere Medizin schluckt, die ihm der Doktor verschrieben hat.

Wir reden in der Fitnessbranche immer irrsinnig viel über Ziele und Motivation. Aber hier ist ein kleines Geheimnis: ich habe in meiner Aufgabe als Trainer hunderte Menschen kennengelernt, und fast alle hatten sie Ziele. SMART formulierte, präzise und motivierende Ziele. Und alle wussten sie, was zu tun war, um diese Ziele zu erreichen, das war ja immerhin mein Job.

Und jetzt kommt das Besondere: von all den Menschen, die ich kennengelernt habe, konnte ich eine Gemeinsamkeit unter denen beobachten, die ihre Ziele tatsächlich auch erreichen und langfristig dabei bleiben!

Glaub jetzt nicht, dass das die Leute waren, die die spezifischsten und emotionalsten Ziele aufgeschrieben hatten. Es waren auch nicht die, die eh schon immer sportlich waren. Und auch wenn es praktisch wäre, etwas anderes zu behaupten: es waren auch nicht die, mit denen ich einen besonders komplexen und zu ihnen passenden Plan ausgearbeitet habe – auch wenn das sicher eine Rolle spielt.

Die erfolgreichsten Menschen, mit denen ich arbeiten durfte hatten abgesehen vom Erfolg alle eine einzige Sache gemeinsam: Begeisterung.

Nicht für ihre Ziele. Auch nicht in erster Linie für ihre Fortschritte, die meistens großartig waren!

Begeisterung, für die Sache, die Tätigkeit, das Training an sich. Begeisterung für das, was sie da tun während sie es tun!

Keiner bleibt dabei, „weil Sport gut für einen ist“. Keiner bleibt dabei, weil die Ziele so toll formuliert sind. Januar – Hochkonjunktur im Fitnessstudio. März: Tote Hose! Ist doch Scheiße!

Aber wenn du anfangen kannst, das zu tun, was du liebst und das zu lieben, was du tust… wenn dir jede Minute deines „Trainings“ etwas gibt… dann kannst du über die Frage „wie lang dauert es, bis ich XY erreichen werde“ eigentlich nur den Kopf schütteln.

Weil du tust, was du tust, weil du deine Ziele nebenbei erreichst, als Nebeneffekt, fast automatisch, nicht ohne etwas dafür zu tun, aber ohne dafür viel Disziplin zu benötigen! Disziplin und Motivation sind wie starker Kaffee: gut, um in die Gänge zu kommen und gut, um so manches Tief zu überwinden. Aber als Grundnahrung? Unbrauchbar! Dafür brauchst du Begeisterung, oder lass es mich anders sagen: Freude an dem, was du tust!

Es gibt über 200 Sportarten, die einen Namen haben und UNENDLICH viele verschiedene Möglichkeiten, dich auf verschiedene Art und Weise zu bewegen! Und oft kommt es nicht einmal darauf an, WAS du tust, sondern viel mehr, WIE du es tust! Wenn du unter all diesen Möglichkeiten schon die gefunden hast, die dich begeistert – kommentiere gerne drunter und hilf damit allen, die noch ein paar Anregungen brauchen. Und wenn du sie noch nicht gefunden hast: bleib offen, lass dich inspirieren, probier Neues aus.

Das ist es auch, was ich für meine Rolle als Coach und Fitnesstrainer mitnehme und was ich mir für alle meine Kollegen wünsche. Wissen weiterzugeben ist nicht alles. Dafür gibt es Bücher. Um Ziele zu erreichen und zu erhalten braucht es Verändung, die tiefer greift, als ein guter Vorsatz.

Wahre Veränderung findet entweder unfreiwillig nach großem Schmerz statt, oder freiwillig durch Begeisterung für etwas. Nichts passiert im windstillen Raum der Gleichgültigkeit, in dem man nur mit Krücken wie Motivation oder Disziplin vorankommt.